Würde.
Macht.
Hoffnung.
Die zweite Menschenrechtskonferenz
Am 15. Mai 2026 kamen in der Wiener CEU 150 Menschenrechtler:innen aus gemeinnützigen Organisationen, Wissenschaft und Kunst sowie engagierte Einzelpersonen zusammen. In großer Runde und in kleineren Arbeitsgruppen widmeten wir uns der Aufgabe, die angesichts bröckelnder Demokratien und Druck auf die Menschenrechte immer drängender wird:
Wie gewinnen wir die Herzen der Menschen für ein würdevolles Leben aller?
Am Vormittag arbeiteten die Teilnehmer:innen im Plenum und richten den Blick auf die gewünschte Zukunft. Am Nachmittag ging es an die Umsetzung in Arbeitsgruppen.
Diese Bilder wurden von Martin Ruiz Rueda für die Menschenrechtskonferenz angefertigt. Sie stehen unter der CC-BY-NC 4.0 Lizenz. Weitere Bilder finden sich auf der Flickr-Seite der CEU.
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Die Workshops
WS 1: „Alle Menschenrechte für alle“ – das Fundament eines guten Lebens
Menschenrechte sind unteilbar – doch wirtschaftliche und soziale Rechte sind angesichts der neoliberalen Dominanz marginalisiert. Gleichzeitig untergräbt die Überbetonung individueller Interessen solidarisches Handeln. Dieser Workshop erkundet, wie ein umfassender Menschenrechtsansatz gestärkt werden kann, der die alltägliche Bedeutung der Menschenrechte sichtbar macht – und dem gezielten Zurückdrängen menschenrechtlicher Werte wirkungsvoll begegnet. Perspektiven aus dem Globalen Süden erweitern dabei das Verständnis einer universellen Praxis. Zentral ist die Frage, welche gesellschaftlichen und politischen Akteur:innen in Dialog treten müssen, um gemeinsam tragfähige Strategien zu entwickeln.
Moderation: Walter Suntinger (HumanRightsConsulting Vienna), Inputs: Teresa Hatzl (Amnesty International), Fatma Akay-Türker (Autorin, Menschenrechtsaktivistin), Iketina Danso (Menschenrechts-, Diversitäts-, und Chancengerechtigkeits-Praktikerin, Poetin)
WS 2: „Bewegende Geschichten“ – Storytelling in der Menschenrechtspraxis
Fakten allein verändern selten etwas – Geschichten schon. Doch wie erzählt man Menschenrechte so, dass sie an die Lebenswirklichkeit der Menschen anschließen, berühren und zum Handeln motivieren? Dieser Workshop verbindet zwei starke Perspektiven: die investigativjournalistische Kunst, komplexe Unrechtsstrukturen sichtbar zu machen, und den aktivistischen Ansatz, der Betroffene als Subjekte ihrer eigenen Geschichte stärkt. Gemeinsam mit den Teilnehmer:innen fragen wir: Welche Erzählungen braucht es? Was macht gutes Storytelling aus – und welche Fallstricke gilt es zu vermeiden?
Moderation: Sabine Zhang (systemische Beraterin), Inputs: Edith Meinhart (Journalistin, Autorin), Christopher Glanzl (Digital Storytelling von unten)
WS 3: „Ins Gespräch kommen“ – Outreach und Dialog mit Skeptischen
Wie erreicht man Menschen, die Menschenrechten skeptisch oder gleichgültig gegenüberstehen? Unter dem Motto „Zeig mir, wie du es machst“ stellt dieser Workshop erprobte Praxisansätze vor: aus Diversity- und Diskriminierungstrainings, aus der Menschenrechtsarbeit in der Polizei sowie aus dem Programm „Dialog statt Hass“ von Neustart. Was funktioniert – und warum? Ergänzt um Beispiele der Teilnehmer:innen untersuchen wir, was den Dialog gelingen lässt, wo Schwierigkeiten liegen – und welche Strategien helfen, mit skeptischen Personen kritisch und wertschätzend über Menschenrechte ins Gespräch zu kommen.
Moderation: Peter Rieder (Diversity Think Tank Austria), Inputs: Melinda Tamás (Beraterin, Trainerin), Fiorentina Azizi-Hacker (Zara), Stephanie Mayerhofer (Neustart)
WS 4: „From Political Communication to Migrants’ Rights” – The Role of Narratives in Shaping Migrants’ Rights
Public perceptions and policies on migrants’ rights are often shaped more by narratives than facts. Led by experts in advocacy and legal activism, this workshop brings together scholars, practitioners, and human rights actors to examine what and how dominant narratives shape law, policy, and migrants’ lives at global, EU, and national levels, with a focus on Austria. By contrasting legal and practical perspectives, it explores why some narratives are more widely accepted than others and how different stakeholders can act together to reshape narratives that better protect migrants‘ rights.
Moderation: Bao Pham (PhD student at Central European University), Inputs: Lukas Gahleitner-Gertz (Asylkoordination), Adel-Naim Reyhani (LBI-GMR), Aimée Stuflesser (Amnesty International)
WS 5: „Verborgene Ausschlüsse sichtbar machen” – Intersektionalität und Klassismus in der Menschenrechtsarbeit
Wie prägen Mehrfachdiskriminierungen Lebensrealitäten und die Menschenrechtsarbeit – und warum bleibt Klassismus dabei so oft unsichtbar? Dieser Workshop rückt Intersektionalität mit Fokus auf sozioökonomische Ungleichheit ins Zentrum, als Analyseinstrument und als strukturelle Herausforderung für die Menschenrechtsarbeit. Unterschiedliche Achsen der Ungleichheit wie Geschlecht, ethnische Herkunft und soziale Position greifen ineinander. Sie beeinflussen auch Zugänge, Beteiligung und Entscheidungsmacht innerhalb des Menschenrechtsfeldes. Was bedeutet das für Advocacy, Programmarbeit und Organisationskultur?
Moderation: Rebecca Caric (Diversity Think Tank Austria), Inputs: Theresa Ekpa (Zara), Brigitte Theißl (Journalistin, Autorin, Vortragende)
WS 6: „Shaping Rights” – The Arts as Driver of Human Rights Change
This workshop introduces participants to the growing intersection between artistic practices and human rights work. How can artistic strategies help critically reflect on human rights issues, communicate human rights concerns to a broader public, and create spaces for dialogue and reflection? How can they contribute to human rights change? It invites participants explicitly to reflect on how artistic approaches could intersect with their own human rights work, exploring both the potentials and the challenges in bringing the different fields together.
Moderation/Input: Marilyn Volkman (artist, curator, director of Art gallery Entre)
WS 7: „Strengthening Resilience” – the Human Rights Movement in the Face of Backlash
We are witnessing a mounting backlash against human rights norms, institutions, and demands. In endeavors to uphold and promote human rights, ‘resilience’ appears as an increasingly needed, yet at the same time challenging practice and an ambiguous concept. Against this backdrop and focusing on this tension, the workshop addresses the question of how to navigate and operationalize it. By reflecting on each other’s experiences and learning from examples from different countries, we aim to identify challenges, existing resources and strategies, and opportunities to enhance resilience, with a forward-looking approach.
Moderators/Inputs: Burak Bahçe (PhD student at Central European University), Victor Giusti (PhD student at Central European University)
WS 8: „Recht haben alleine reicht nicht” – die juristische Durchsetzung der Menschenrechte
Wie lassen sich Menschenrechte juristisch durchsetzen – und wo stoßen rechtliche Strategien an ihre Grenzen? Dieser Erfahrungsaustausch verbindet drei Felder: wirtschaftliche und soziale Rechte, Rechte von Menschen mit Behinderungen sowie Umwelt- und Klimaschutz. Welche Hebel – von Strategic Litigation bis zum Ausbau des Rechtszugangs – stehen zur Verfügung? Was verbindet die drei Felder, was unterscheidet sie? Und wie wirken juristische Strategien mit politischen und gesellschaftlichen Kämpfen zusammen?
Moderation/Inputs: Martin Schenk (Armutskonferenz), Margit Ammer (Menschenrechtsjuristin mit Umweltschwerpunkt), Karin Riebenbauer (Inklusion: Österreich)
WS 9: „Wege zum Wandel” – Menschenrechte strategisch angehen
Menschenrechtsarbeit wirkt – aber oft ohne zu wissen, warum. Explizite Theories of Change, die beschreiben, wie gesellschaftlicher Wandel entsteht und welche Hebel ihn antreiben, sind im Menschenrechtsfeld noch selten. Dabei wäre strategisches Denken dieser Art notwendiger denn je. Die Leitfrage des Workshops ist, wie Theories of Change aussehen müssen, die Menschenrechte hegemonial machen: Wie wird aus symbolischer Zustimmung politische und rechtliche Verbindlichkeit – und was können wir beitragen, um diese Strategiearbeit zu forcieren?
Moderation/Input: Philipp Sonderegger (Menschenrechtler, systemischer Berater)
Würde.
Macht.
Hoffnung.
Aufruf: Mit Menschenrechten den Kampf um die Freiheit gewinnen.
Demokratien bröckeln. Staaten rüsten auf. Internationale Verträge scheinen nichts mehr zu gelten. Rund um den Globus stehen Menschenrechte auf dem Spiel. Der Klimawandel und eine ungebändigte Künstliche Intelligenz fordern Gesellschaften heraus. Kurzum: Die Lage ist grimmig, und die Aussichten sind es nicht minder, so dass wir uns gerade jetzt dreierlei nicht mehr leisten können:
Hoffnungslosigkeit. Entkräftung. Und Verwirrung.
Es war ein großes Versprechen, mit dem die Weltgemeinschaft die Barbarei der Zweiten Weltkriegs hinter sich ließ: Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden sollte die neue, globale Zukunft bringen. Für viele Menschen hat es sich eingelöst. Die Herrschaft des Rechts schützte die Würde vieler Menschen, beseitigte Willkür, milderte Leid. Die Menschenrechte schienen zu einer globalen lingua franca geworden zu sein.
Eine Erfolgsgeschichte, zweifellos, aber längst nicht für alle. Und das letzte Kapitel ist noch nicht geschrieben.
Die soziale Ungleichheit nimmt obszöne Ausmaße an. Autoritäre, extrem-libertäre Strömungen, hybride und konventionelle Kriege sind am Vormarsch. Verletzungen des humanitären Völkerrechts erinnern an überwunden geglaubte Zeiten. Selbst vor dem Folterverbot gibt es kein Halten mehr. In vielen Teilen der Welt riskieren Menschenrechtsanwält:innen, Friedens- und Klimaaktivist:innen jeden Tag ihr Leben. Zu viele haben es bereits verloren.
Und wir, die wir in relativer Sicherheit und Freiheit leben? Was tragen wir dazu bei, dass am Ende Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte gewinnen? Wie können wir nicht nur Köpfe, sondern auch Herzen für ein würdevolles Leben für alle begeistern? Wie kommen wir aus den Silos des Denkens heraus? Wie lassen wir nationale Egoismen hinter uns? Wie lernen wir den ganzheitlichen Blick? Wie organisieren wir uns? Was macht uns entschlossen und hoffnungsvoll? Wie bleiben wir bei Kräften, persönlich und als Gemeinschaft; wie bleiben wir resilient?
Darum soll es bei der Menschenrechtskonferenz 2026 gehen. Aktivist:innen, Wissenschafter:innen, Künstler:innen und Interessierte tauschen sich hier aus, bestärken einander und beflügeln einander, um dann auch andere für ein würdevolles Leben für alle zu mobilisieren.